XII (BWV Anh. 7) Heut ist gewiß ein guter Tag

Birthday of Prince Leopold of Anhalt-Cöthen (10 December).

Christian Friedrich Hunold (Menantes), Auserlesene und theils noch nie gedruckte Gedichte, 21.-27. Stück (Halle 1721); Facs: Neumann T, p. 271 and NBA I/35, Krit. Bericht, p. 171.

Probably 10 December 1720, Cöthen.

NBA I/35, Krit. Bericht.



Die allgemeine Vergnügung über das Geburths-Fest (a) des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn/ Herrn Leopoldi, Fürsten zu Anhalt Cöthen etc. etc. in einem Schäffer-Gespräch.

(a) So im December einfält.

Sylvia, Phillis und Thyrsis

[1. Recit. (Sylvia, Phillis)]

(Sylvia)

Heut is gewiß ein guter Tag:
Mir ist so wohl, ich weiß mich nicht zu lassen,
Ich kan mich kaum vor Freuden fassen,
Die ich nicht nennen mag.

(Phillis)
Auch meine Lust ist ungemein,
Der heut'ge Tag muß recht glückseelig seyn.

(Sylvia)
So bin ich nicht im frohen May gewesen.

(Phillis)
Und in der grünen Felder-Pracht,
Die alle Sinnen freudig macht,
Hab' ich die Blumen nie gelesen
Mit so vollkommner Lust,
Die jetzt in meiner Brust;
Da doch der Schnee die Hütten deckt.

(Sylvia)
Wenn die Vergnügung drinnen steckt,
So muß sie unsre Hertzen rühren,
Es mag sonst schneyen oder frieren.

[2.] Aria

(1. [Sylvia])

Ein vergnügt und ruhig Leben
Ist das beste dieser Zeit.
In den Feldern, in den Auen
Ists nicht schöneres zu schauen,
Als des Hertzens Fröligkeit.

(2. Phillis)

Unsers Hertzens liebste Weide
Bleibet wohl vergnügt zu seyn.
Aber von des Himmels Güte,
Daphnis edlestem Gemüthe

Kommet unsre Lust allein.

[3. Recit. (Sylvia, Phillis)]

(Sylvia)

Du redest recht:
Nur Gott und Daphnis edles Leben
Kan uns so viel Freude geben.
Gewiß es sah' um uns sehr schlecht,
Als noch im Frühlings-Schein
Den grossen Daphnis was befallen.
Man hörte nichts, als Klagen, Schmertz und Pein
Durch Wald und Felder schallen.

(Phillis)
Man hing die Flöthen hin.
Man saß mit recht betrübten Sinn.
Auch in den allerschönsten Auen
War schon nichts schönes mehr zu schauen,
Da Daphnis Leben in Gefahr.

(Sylvia)
Ein jeder Schäffer in dem Lande
Der dazumahl halb tod vor Schrecken war,
Sprach sonder Trost: Weh unserm Hirten-Stande,
Wenn Daphnis uns nicht weiter schützt,
Wenn seine Klugheit, Gnad und Güte,
Wenn sein gerecht-und tugendhafft Gemüthe,
Nicht unsre Wohlfahrt unterstützt.

(Phillis)
Wenn Daphnis Geist von uns gewichen,
So wären wir mit Ihm erblichen.

(Phillis und Sylvia)
Doch so erfreuet unsre Brust,
Dich aller Hirten Aug und Lust,
Dich holden Daphnis in den Auen
Gesund, vergnügt und wohl zu schauen.

(Sylvia)
Mit Anmuth sieht man Ihn
Durch Büsch' und Felder ziehn,

(Phillis)
Kein Wild vermag Ihm zu entgehen,
Kein Vogel ist zu schnell vom Flug,
Kein Reh ist Ihm geschwind genug.
Es ist mit Lust zu sehn,
Wenn, da Er an dem Rohre schnellt,
Gleich alles niederfällt.

[4.] Aria [Phillis]

Jagen ist ein groß Ergetzen
Und des Edlen Daphnis Lust.
Wenn die flüchtgen Rehen springen,
Wenn von manchem frohen Thon,
Wald und Felder wieder klingen,
Denn so lachet unsre Brust.
Jagen ist ein groß ergetzen
Und des Edlen Daphnis Lust.

[5. Recit. (Thyrsis, Phillis)]

(Thyrsis)
Ihr singt von Jagen und von Lust?
Gar recht, nichts als Ergetzen,
Und was uns mag in Wonne setzen,
Sey uns bewust:
Denn dieser Tag ist ungemein.

(Phillis)
Er muß besonders glücklich seyn.
Wir sind vergnügt und schertzen,
Und wissen nicht, was unsern Hertzen
Noch gutes heut begegnen wird.

(Thyrsis)
Noch gutes? Es soll Daphnis leben!
So jauchzet itzund jeder Hirt.
Heut ist der Tag, an dem ihm Gott gegeben.

(Sylvia)
O angenehmste Stunde!

(Phillis)
Willkommen liebster Tag!
Wer lehret mich, wie ich mit frohen Munde
Den schönsten Daphnis preisen mag.

(Sylvia)
Es ahnte mir.

    (Phillis)

    Mir sagte gleich das Hertz,

Es müssen unsre Fröligkeiten

Was grosses nur bedeuten.

(a 2.)

O auserkohrnes Licht,
Das itzt durch unsre Fluhren bricht.

(Sylvia)
Wie mögen wir uns wohl hierbey erweisen?

(Thyrsis)
Auf! Last uns Gott und Daphnis preisen.

[6.] Aria a 3

(Sylvia, Phillis und Thyris)

Auf! {lobet/dancket} dem {gütigsten/herrlichsten} Gott,
Der unseren {edelsten/theuresten } Daphnis bekrönet,
Ihn {vergnügt/gesund } und wohl zu sehn,
Ist des Landes Wohlergehn,
Wo alles anjetzo von {Jauchzen/Freuden } erthönet.
Auf! {lobet/dancket} dem {gütigsten/herrlichsten } Gott,
Der unseren etc.

[7. Recit. (Thyrsis, Phillis, Sylvia)]

(Thyrsis)
So schencket nach dem Leiden
Der Himmel tausend Freuden.
So können wir anitzt vergnügter seyn,
Als wie in Frühlings-Schein.

(Phillis)
Wo Daphnis ist, den alles liebt,
Den alles ehret,
Dem dieser Ruhm nächst Gott gehöret,
Daß Er uns Fried und Wonne giebt.

(Sylvia u. Phillis)
Wo Daphnis ist, beglückter Hirten-Stand,
O seelig Land,
Das unter seiner Gnade schwebet!

(Sylvia, Phillis, u. Thyrsis)
Wo Daphnis lebet,
Da wird aus Nacht
Ein Freuden-Tag gemacht.

(Thyrsis, Phillis)
Da hört man nichts von Drangsahl und Beschwerden,
Da muß durch seine Gütigkeit
Durch seine Huld und freundlichsten Geberden
Die rauhe Winters-Zeit
Zum schönsten Frühling werden.

[8.] Aria (Sylvia)

Der Himmel lachet mit Vergnügen,
Und überschneyet uns mit Lust.
So viel von oben Flocken Fallen,
So viel soll Daphnis Ruhm erschallen,
So vieles Wohl beglücke seine Brust.
Der Himmel lachet mit Vergnügen
Und überschneyet uns mit Lust.

[9. Recit. (Thyrsis, Phillis, Sylvia)]

(Thyrsis)
Denn wird es wohl um unsre Hütten stehen,
Wenn unser Ober-Hirt
Bey lauter Wohlergehen
Recht grau von hohen Alter wird.

(Phillis)
Wenn Er die schönste Schäferin,
Die von so klug-und tugendhafften Sinn,
Von holden Sitten, edlem Wesen,
Kurtz: die so angenehm als wie Er selber ist,
Wenn Er dieselbe sich erkiest.

(Sylvia)
Wenn Er sich die zu allen Wohl erlesen.

(Sylvia u. Phillis)
Denn grünen unsre Felder,
Denn prangen unsre Wälder.

(Thyrsis)
Denn wird, wenn Daphnis nur beglückt,
Das Land von Freuden gantz entzückt.

(Phillis)
Denn spielt der Schäffer in den Matten,

(Sylvia)
Denn schertzt er in dem kühlen Schatten,

(Thyrsis)
Denn singet er, daß Wald und Feld erklingt
Von allem Heil, das Daphnis Gnade bringt.

[10.] Aria (Tutti)

Schönster Tag, beliebte Stunde,
Kommet offt erwünscht zurück.
Weil noch weiche Hirten singen,
Soll der {schönste/liebste }Nam' allein
Echo dein Vergnügen seyn,
Daphnis muß nur wieder klingen,
Lebe Daphnis unser Glück.
Schönster Tag beliebte Stunde,
Kommet offt erwünscht zurück.

The general happiness on the occasion of the birthday (which falls in December) of the illustrious Prince and Lord, Lord Leopold, Prince of Anhalt-Cöthen etc. etc. in a pastoral dialogue.

Sylvia, Phyllis, Thyrsis

1. Recit. (Sylvia, Phyllis)

(Sylvia)

Today indeed is one fine day:
I feel so good, I know not how to bear it,
I scarce contain me in this pleasure,
For which I have no name.

(Phyllis)
My happiness is also rare,
This present day must be with fortune blest.

(Sylvia)
I was not e'en in merry May so happy.

(Phyllis)
And the verdant fields' display,
Which ev'ry heart with pleasure fills,
Have I the flowers never gathered
With such complete delight
Which now doth fill my breast,
E'en though the snow our shelters hides.

(Sylvia)
But if contentment hides within,
It must forsooth our hearts be stirring,
No matter if it snows or freezes.

2. Aria (Sylvia, Phyllis)

(1. Sylvia)
A content and peaceful manner
Is the best part of these days.
On the pastures, on the meadows
Is nought lovelier to witness
Than the heart's pure happiness.

(2. Phyllis)
This our spirit's fondest pasture
Bideth well-content to be.
But the gift of heaven's kindness,
Daphnis'(1) noblest disposition,
Bringeth our delight alone.

3. Recit. (Sylvia, Phyllis)

(Sylvia)
Thy words are true:
Just God and Daphnis' noble manner
Can on us bestow such pleasure.
In sooth our outlook was most dire
When still in spring's debut
Our mighty Daphnis was sore stricken.
To hear was nought but moaning, grief and pain
Through wood and fields resounding.

(Phyllis)
We put our flutes away.
We sat with sorely troubled hearts.
E'en in the most delightful meadows
There lay nought lovely more to look at
While Daphnis' life in danger stood.

(Sylvia)
And ev'ry shepherd in the country,
Who at the time half dead with terror was,
Said unconsoled, "Woe to our clan of shepherds,
If Daphnis us no more protects,
If his great wisdom, grace and kindness,
If his most just and valorous of spirits
Not our prosperity support."

(Phyllis)
If Daphnis' soul from us had parted,
We would as well with him have perished.

(Phyllis, Sylvia)
But how it gladdens now our breast,
Thee, ev'ry shepherd's eye and joy,
Thee, noble Daphnis, on the meadows
In health, content, and well to gaze at.

(Sylvia)
So graceful is he seen
Through copse and field to ride,

(Phyllis)
No beast is able to escape him,
No fowl is e'er too quick in flight,
No deer for him is swift enough.
It is a joy to see
How, when he makes his barrel crack,
Ev'ry prey doth fall at once.

4. Aria (Phyllis)

Hunting is a great diversion
And the noble Daphnis' joy.
When the deer so fleet are darting,
When with many happy sounds
Field and forest broadly echo,
Then how laughter fills our breast!
Hunting is a great diversion
And the noble Daphnis' joy.

5. Recit. (Thyrsis, Phyllis, Sylvia)

(Thyrsis)
Ye sing of hunting and of joy?
How just! Nought but diversion
And all that may to rapture bring us,
Be in our thoughts:
Because this day is rare indeed.

(Phyllis)
It must exceeding lucky be.
We are content and merry
And do not know if these our spirits
More blessing still today will meet.

(Thyrsis)
More blessing? That now Daphnis live long!
So cry with joy now shepherds all.
This is the day to which him God appointed.

(Sylvia)
O most enchanting moment.

(Phyllis)
O welcome, dearest day!
Who will teach me how I with voice exulting
My fairest Daphnis may give praise.

(Sylvia)
I had a thought.

    (Phyllis)
    My heart told me at once

That surely this our mirthful spirit
Some wondrous thing portended.

(Sylvia, Phyllis)
O thou most favored light,
Which now o'er all our fields doth break.

(Sylvia)
How may we now ourselves in this prove worthy?

(Thyrsis)
Rise! Let us God and Daphnis honor.

6. Aria (Sylvia and Phyllis, Thyrsis)

Rise! {Praise ye/Thank ye }that {generous/glorious } God,
Him who this our {most noble/worthiest } Daphnis hath crownéd.

Him {content/in health } and well to see
Is the land's prosperity,
Where all at this moment with{triumph/gladness} resoundeth.
Rise! {Praise ye/Thank ye} that {generous/glorious} God,
Him who this our {most noble/worthiest} Daphnis hath crownéd.

7. Recit. (Thyrsis, Phyllis, Sylvia)

(Thyrsis)
Thus granteth after sorrow
A thousand pleasures heaven.
And therefore can we now be more content
As though in spring's first show.

(Phyllis)
Where Daphnis is, whom all adore,
Whom all pay honor,
To whom this fame next God belongeth,
That he to us gives joy and peace.

(Sylvia, Phyllis)
Where Daphnis is, O happy shepherd clan,
O blissful land,
Which doth beneath his blessing flourish!

(Sylvia, Phyllis, Thyrsis)
Where Daphnis liveth,
There are the nights
To days of joy transformed.

(Thyrsis, Phyllis)
There is no sound of hardship and oppression,
There must be through his kindliness,
Through his dear care and friendliest of manner
The cruel wintertime
To fairest springtime changéd.

8. Aria (Sylvia)

The skies are laughing with contentment
And shower snow o'er us of joy.
Therefrom as many flakes are falling
As are of Daphnis' praise the echoes,
And as much luck to make his breast rejoice.
The skies are laughing with contentment
And shower snow o'er us of joy.

9. Recit. (Thyrsis, Phyllis, Sylvia)

(Thyrsis)
For it will surely bring our shelters fortune,
If this our shepherd lord
Midst purest health and bounty
Should gray with lofty age become.

(Phyllis)
If he the fairest shepherdess,
Who hath his wise and virtuous intent,
His gracious manners, noble nature,
Brief: Who hath all the charm which he himself doth own,
If he this very one doth choose.

(Sylvia)
If he hath her to bless us all selected.

(Sylvia, Phyllis)
Then shall our fields be verdant,
Then shall our woodlands glory.

(Thyrsis)
Then shall, if Daphnis but be blest,
Our land with joy be fully charmed.

(Phyllis)
So play our shepherd on the meadow,

(Sylvia)
So let him sport in cooling shadows,

(Thyrsis)
So let him sing, that wood and field resound
With all the bliss which Daphnis' grace doth bring.

10. Aria (Tutti)

Fairest day, belove'd moments,
Welcome, oft to us return.
While yet tender shepherds sing here,
Shall the{fairest/dearest } name alone,
Echo, thine amusement be;
"Daphnis" must be ever echoed,
Long live Daphnis, our delight.
Fairest day, beloved moments,
Welcome, oft to us return.


1. Daphnis is the bucolic name for Prince Leopold. Cf. Vergil, Eclogue 5, where Daphnis is thought to stand for Julius Caesar.


© Copyright Z. Philip Ambrose


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