I Auf! süß entzückende Gewalt

Wedding of Peter Hohmann (von Hohenthal) and Christian Sibylla Mencke.

Johann Christoph Gottsched, Versuch einer Critischen Dichtkunst (Leipzig, 1730); Facs: Neumann T, p. 368.

27 November 1725, Leipzig; Parody: 3, 5 ---> BWV 11/4, 10.

NBA I/40, Krit. Bericht.



[English translation follows German text.]

Serenata

Auf die Homann-und Menckische Hochzeit in Leipzig 1725

[1. Aria] Die Natur

Auf! süß-entzückende Gewalt,
Die du aus Gottes Hand entspringest,
Und alles, was ich bin, durchdringest,
Komm, zeige dich, in lieblicher Gestalt.
Auf, süß-entzückende Gewalt!

[2. Recit.]

In allem, was der Bau der Welt,
In ungezählten Himmels-Kreisen,
Vor seines Schöpfers Augen stellt;
In allen Thieren, die das Feld,
Lufft, Erde, Wald und Wasser in sich hält,
Ja selbst in Bäumen Stein und Eisen,
Zeigt sich die ungeschwächte Krafft
Der allerstärcksten Leidenschafft.
Wer merckt nicht überall die Liebe?
Wer spürt nicht, daß durch ihre Triebe
Das ganze Welt-Gebau besteht?
Denn daß es noch bisher nicht gar zu Grunde geht,
Das macht der Liebe festes Band.
Sie hemmet gantz allein der Sachen Unbestand.

[3. Aria (Die Natur)]

Entfernet euch, ihr kalten Hertzen,
Entfernet euch, ich bin euch feind.
Wer nicht der Liebe Platz will geben,
Der flieht sein Glück, der haßt das Leben
Und ist der ärgesten Thorheit Freund;
Ihr wehlt euch selber nichts als Schmertzen;
Entfernet euch, ihr kalten Hertzen,
Entfernet euch, ich bin euch feind.

[4. Recit.] Die Schamhafftigkeit

Wie das? o gütige Natur!
Soll ich denn auch zur Liebes-Fahne schweren?
Soll ich denn auch die stille Lockung hören,
Die deine Krafft in mir erregt?
Ach nein, Natur, ach nein!
Die Liebe kan kein Kind der wahren Tugend seyn.
Ach nein, ich glaub es nicht!
Ich fühle, daß das Hertz mir schlägt,
Das warme Blut erröthet meine Wangen,
Wenn man zu mir vom Lieben spricht.
Ich fühle zwar ein heimliches Verlangen;
Doch deckt es sich mit steter Blödigkeit.
Ich fürchte stets der Frechheit Netze,
Und sorge, daß nicht mir der Zeit,
Die wachsende Verwegenheit
Die Regeln Göttlicher Gesetze,
Durch diesen schlauen Trieb verletze.
Drum weg damit! ich höre nicht,
Was die Natur vom Lieben spricht.

[5. Aria (Die Schamhafftigkeit)]

Unschuld, Kleinod reiner Seelen,
Schmücke mich durch deine Pracht.
Keine Laster, keine Flecken,
Sollen mir das Lilien-Kleid
Unberührter Reinigkeit,
Durch der Liebe Schmutz bedecken,
Der auch Schnee zu Dinte macht.
Unschuld, Kleinod reiner Seelen
Schmücke mich durch deine Pracht.

[6. Recit.] Die Tugend

Du irrest, liebes Kind,
Du irrest sehr in diesem Stücke,
Ich bin so grausam nicht gesinnt.
Ich hasse zwar der Geilheit Laster-Stricke,
Durch welche dieß verdammte Weib
Die wilden Jugend Fuß umschlinget;
Biß daß sie endlich Seel und Leib
In tausendfaches Unglück bringet.
Allein die Liebe rechter Art
Hat dessen Arm, der alles lencket,
So wohl als mich, den Sterblichen geschencket.
Sie scheut nicht meine Gegenwart,
Und meine Glut schlägt offt mit ihren Flammen
Gantz lieblich zusammen.

[7. Aria (Die Tugend)]

Folge nur den sanften Trieben.
Die dein zartes Hertz gespürt.
Wenn dich ihre Flamme rührt,
O so laß nur deine Sinnen,
Eine Seele lieb gewinnen,
Die sich durch die Tugend ziert,
Und die must du ewig lieben.
Folge nur den sanften Trieben,
Die dein zartes Hertz gespürt.

[8. Recit.] Die Natur

Nun hörst du ja, die Tugend selbst stimmt ein.
Wirst du der Liebe denn gantz wiederspenstig seyn?

[9. Aria]

[Die Natur]
Ersticke nicht länger das wallende Wesen,
Das meine Hand dir eingepflantzt.

(Die Schamhafftigkeit)
Der Tugend-Spruch ist zwar von grosse Krafft,
Und sollte mich fast überwinden:
Allein, ich fürchte doch die starcke Leidenschafft,
Und weiß mich nicht darein zu finden.

(Die Natur)
Ersticke nicht länger das wallende Wesen,
Das meine Hand dir eingepflantzt.

(Die Schamhafftigkeit)
Die Liebe scheint sehr Unruh voll
Und ungestüm zu seyn.

Ich wollte wohl; ---doch nein!
Ich weiß nicht, was ich machen woll?

(Die Natur)
Verwirff die blöde Phantasey,
Und mache dein Gemüthe frey,
Das sich durch irrende Gedancken,
In den vermeynten Tugend-Schrancken,
Mit steter Blödigkeit umschantzt.
Wie ist es? hörst du mich?
Mich dünckt, du änderst dich,
Ich kan es an deinem Gesichte schon lesen.
Ersticke nicht länger das wallende Wesen,
Das meine Hand dir eingepflantzt.

[10. Recit.] Die Schamhafftigkeit

Gefährlicher Entschluß!
Den ich anitzo fassen muß.
Wohlan, Natur! ich folge deine Trieben,
Doch sage mir, was soll ich lieben?

(Die Natur)
Ach sorge nicht, der Himmel sorget schon,
Der hat, eh du daran gedacht,
Den ewig-festen Schluß gemacht,
Durch wen er dich vergnügen wollen,
Und wen dein reines Hertz am ersten lieben sollen.

[11. Aria (Die Natur)]

Selbst der Höchste schliesset Ehen,
Die ihm wohlgefällig sind.
Wenn die Menschen nicht verstehen,
Welchen Pfad ihr Fuß soll gehen,
Da versorgt er und verbindt
Manches tugendhaffte Kind.
Selbst der Himmel schliesset Ehen,
Die ihm wohlgefällig sind.

[12. Recit.] (Die Schamhafftigkeit)

So wird es auch vielleicht geschehen,
Daß seine Vater-Huld bald auf mein Wohl wird sehen.

(Das Verhängnis)
Sieh da, du tugendhafftes Hertz,
Nimm hin das Kleinod meiner Liebe.
Verwandle deine Furcht in Schertz,
Und laß hinfort die reinen Triebe
Nur ihm allein,
Wie seine Brust nur dir, gewidmet seyn.
Die Wohlfahrt soll auf allen Seiten, Dich, neu-verknüpfftes Paar, begleiten!

[3. Aria] Chor der Nymphen an der Pleiße

Lebe, neues Paar, vergnügt!
Selbst das Schicksal hats gefügt,
Daß der Zweck von eurem Hoffen
Nach Verlangen eingetroffen.
Lebe, neues Paar, vergnügt!
Glück und Wohlfahrt, Heyl und Seegen,
Müsse deiner Tugen wegen,
Sich um deine Wohnung legen,
Lebe, neues Paar, vergnügt!


Serenata

For the Hohmann-Mencke Wedding in Leipzig, 1725

1. Aria (Nature)

Up, sweet-enchanting force and pow'r,
Thou which from God's own hand arisest,
And all my very self pervadest,
Come, show thyself within thy charming form.
Up, sweet-enchanting force and pow'r!

2. Recit. (Nature)

In all that which the world's great frame,
In heaven's spheres surpassing number,
Before its maker's eyes presents;
In all the creatures which the field,
Air, earth, and wood, and waters do contain,
Yea, even trees and stone and iron,
Is shown the undiminished strength
Which that most mighty passion owns.
Who marks not ev'rywhere affection?
Who sees not that through its emotions
The total cosmic form endures?
For that it hath till now not yet to ruin gone
Is caused by love's most constant bond.

3. Aria (Nature)

Remove yourselves, ye frigid spirits,
Remove yourselves, I am your foe.
He who for love no room would offer
Doth shun good luck, doth hate life's nature,
And is to arrant folly friend;
Ye choose yourselves no course but sorrow;
Remove yourselves, ye frigid spirits,
Remove yourselves, I am your foe.

4. Recit. (Modesty, Nature)

(Modesty)
What's this, O gracious Nature, thou!
Shall I as well to love's flag swear allegiance?
Shall I as well to that soft coaxing listen
Which doth thy pow'r within me stir?
Ah no, Nature, ah no!
For love cannot a child of honest virtue be.
Ah no, it cannot be!
I feel it when my heart doth beat,
When heated blood doth lend my cheeks a redness,
When one to me of love doth speak.
I feel in truth a strange and hidden longing,
Which hides itself in constant bashfulness.
I always fear the net of folly,
I worry lest in me in time
The waxing of audacity
Should to the rule of godly order
Through this most subtle force do injury.
Away with it! I will not heed
What Nature here of love doth say.

5. Aria (Modesty)

Chasteness, jewel of pure spirits,
With thy splendor me adorn.
No dishonor, no impairment
Shall my cloak all lily-white
Of unsullied purity
With the stain of love e'er darken,
Which can snow to ink transform.
Chasteness, jewel of pure spirits,
With thy splendor me adorn.

6. Recit. (Virtue)

Thou errest, my dear child,
Thou errest wide in what thou singest,
So wicked is my purpose not.
I hate in fact the vicious wiles of Lewdness
With which that fallen woman oft
The wanton foot of youth ensnareth,
Until she hath both soul and flesh
To thousand-fold distress delivered.
Ah no, the love of proper sort
Hath his own arm who all things guideth,
And me as well, to mortal men now granted.
It doth not from my presence shrink,
And mine own fire beats often with its passion
In loveliest union.

7. Aria (Virtue)

Follow but those soft emotions
Which thy tender heart perceives.
When thou by their flames art touched,
Oh, then let but thine intention
Now some soul with fondness favor
Which is by its virtue graced,
And whom thou must love forever.
Follow but those soft emotions
Which thy tender heart perceives.

8. Recit. (Nature)

Now thou dost hear how Virtue too agrees.
Wilt thou to love be then entirely obstinate?

9. Aria (Nature, Modesty)

(Nature)
Suppress thou no longer the passionate nature
Which mine own hand in thee did plant.

(Modesty)
Now Virtue's speech in truth is great in strength
And very nearly wins me over:
But yet, I fear too much the force of passion's might
And know not how its call to answer.

(Nature)
Suppress thou no longer the passionate nature
Which mine own hand in thee did plant.

(Modesty)
But love appears with turmoil filled
And violence as well.
Though I might wish, ---but no!
I know not what my course should be.

(Nature)
Discard thy foolish fantasy,
And set thy heart and spirit free,
Which are through their own misconceptions
Within that so-called virtue's confines
With stolid bashfulness enclosed.
Now tell me, dost thou hear?
Me thinks, thou shalt be changed,
I can now upon thine own face even read it.
Suppress thou no longer the passionate nature
Which mine own hand in thee did plant.

10. Recit. (Modesty, Nature)

(Modesty)
O dangerous resolve,
Which I am now constrained to make!
Lead on, Nature! I'll follow thy directions.
But tell me this: What shall I love then?

(Nature)
Ah, have no fear, for heav'n e'en now doth care
And hath, ere thou didst give it thought,
Its everlasting will decreed
Through whom it thee would bring contentment,
And whom thy spotless heart ought first give thine affection.

11. Aria (Nature)

E'en the Highest sealeth marriage,
When it his approval wins.
Whene'er mortals are uncertain
On which path their foot should venture,
He looks after and unites
Many'a good and virtuous child.
Even heaven sealeth marriage,
When it its approval wins.

12. Recit. (Modesty, Destiny)

(Modesty)
Thus it as well perhaps will happen
That his paternal care soon tend to my well-being.

(Destiny)
Behold, O thou most virtuous heart,
Receive the gem of my affection.
Transform thy modesty to mirth,
And let henceforth thy pure emotions
To him alone,
As is his breast to thee, devoted be.
Prosperity in ev'ry quarter,
O newly wedded-pair, attend thee!

13. Chorus (Choir of Nymphs on the Pleisse River)

Live, ye newly-weds, content!
Fate itself hath brought to pass
That the goal of all your longing
Be completely here accomplished.
Live, ye newly-weds, content!
Luck and fortune, health and blessing
Must because of your own virtue
Now about your dwelling settle;
Live, ye newly-weds, content!


© Copyright  Z. Philip Ambrose


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